Das SCHOEPS Röhrenmikrofon M 222

Warum heute noch ein Röhrenmikrofon ?

Vor dreissig Jahren dachte fast jeder, die Elektronenröhre wird vom Halbleiter verdrängt und stirbt aus. Ein 'harter Kern' engagierter Musikfreunde hält Ihr aber bis heute die Treue. Begründet wird dies mit den besonderen Eigenschaften der Röhre. Man weiß, daß beim heutigen Stand der Meßtechnik die digitale Verarbeitung analoger Signale unübertroffen ist, aber mit dem Hinweis auf die Unzulänglichkeiten aller Meßmethoden gegenüber einem geschulten menschlichen Gehör wird diese Digitaltechnik bewußt abgelehnt, zumindest am Anfang der Audio-Kette, nämlich im Mikrofon. Die meßbaren 'Nachteile' der Röhre, z.B. das geringfügig höhere Eigenrauschen und die stärkeren und frequenzabhängigen harmonischen Verzerrungen, d.h. die von der Röhre hinzugefügten Oberwellen, werden gerne in Kauf genommen, um den als warm, weich und harmonisch empfundenen typischen Röhrenklang zu erzielen. Eine Verschiebung des Arbeitspunktes oder eine gezielte Übersteuerung der Röhre kann diesen Effekt verstärken. Die absolut neutrale Abbildung des Originaltons ist hierbei weniger wichtig als der angenehme Klangcharakter.

Das Konzept des M 222

Für diesen Anwenderkreis hat SCHOEPS das Röhrenmikrofon M 222 und sein Speiseteil NT 222 AC (bzw. NT 222 DC) im Angebot. Alle Komponenten werden von dem SCHOEPS-nahen Zulieferer ELVO gebaut. Vorwiegend in Handarbeit entstehen hier kleine Serien dieses exklusiven Mikrofons, Stück für Stück mit selektierten Subminiaturröhren bestückt, umfangreich getestet und als Komplettset mit allem Zubehör (nur die SCHOEPS-Kapsel Ihrer Wahl fehlt noch) im feinen Holzetui (aus nachwachsenden einheimischen Hölzern) ausgeliefert. Dieses Vertriebskonzept ermöglicht es, die von den Kunden erwartete hohe SCHOEPS-Qualität zu einem erschwinglichen Preis zu fertigen.

Modernes Röhren-Design

Das Röhrenmikrofon M 222 bietet nicht einfach wiederbelebte Technik aus den Sechzigern des vergangenen Jahrtausends, sondern verbindet eine hochwertige, einzeln ausgemessene Subminiaturröhre aus original AEG-TELEFUNKEN-Fertigung mit modernsten Elektronikkomponenten. Da heutzutage keine Veranlassung mehr besteht, ein Röhrenmikrofon dick und unförmig zu gestalten, wurden die Maße der SCHOEPS CMC-Serie übernommen (Durchmesser 20mm, Länge ohne Kapsel 116mm). Die Bezeichnung M 222 lehnt sich an den Namen des legendären SCHOEPS Röhrenmikrofons M 221 B an, die Anwendungsmöglichkeiten und Daten wurden jedoch wesentlich verbessert. Sämtliche Schalterkontakte und Steckerpins sind selbstverständlich vergoldet, statt der alten Tuchelstecker kommen heute die genormten und weltweit bewährten XLR-3 und XLR-5 Verbindungen zum Einsatz.

Das M 222 im Einsatz

Es können nicht nur alle Kapseln der SCHOEPS Serie Colette (rund 20 verschiedene Typen) verwendet werden, sondern auch jegliches aktive Zubehör, also auch das Filter CUT1, das Kabel KC, das Kapselgelenk GVC, die Rohrverlängerung RC oder die Grenzflächenkapsel BLM03C. Je nach Ausführung läßt sich eine Verstärkung bis auf Linienpegel (mit NT 222 DC) oder ein Leitungstreiber für bis zu 300m (mit NT 222 AC) Mikrofonkabel zuschalten. Aber auch Puristen kommen auf ihre Kosten: In Schalterstellung 'TUBE DIRECT' am Speiseteil befinden sich keinerlei Halbleiter im Signalweg ! Ein Schalter 'HARMONICS' verändert den Arbeitspunkt der Röhre, der weiche Anstieg der harmonischen Verzerrungen (Oberwellen) setzt früher ein, um den typischen Röhrenklang zu verstärken.

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Bild: Der Lieferumfang des M 222

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